Home Rundbrief alte Ausgaben Jahrgang 2009 Grüße aus Hollywood im Kinomuseum
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Sven Pape plaudert aus seinem ›Filmkoffer‹ in L.A.

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Am 23.07.09 hatte das Kinomuseum eine Besonderheit zu bieten. In Kooperation mit dem benachbarten Gifhorner Filmclub die ›Video-Aktiven‹ hatten die Anhänger des ›klassischen Kinos‹ zu einem abendlichen Stelldichein des gebürtigen Calberlahers Sven Pape geladen, der einst auszog, um in der Traumfabrik an seiner Karriere zu basteln. Das ist ihm – mit einer Portion Glück & Zufall – redlich gut gelungen.

Mit einem Koffer in die Traumfabrik
Bevor es den 37-jährigen in den Neunziger Jahren in die USA zog, hatte er in Berlin an der Hochschule der Künste studiert. Mit Mitte Zwanzig brach Pape dann auf ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, trennte sich von seinem Hab und Gut – bis auf die wenigen Sachen, die in den einen Koffer hineinpassten, mit dem er die Reise über den Atlantik antrat.
In Los Angeles nahm Sven ein Filmstudium am American Film Institute auf und arbeitete seitdem an diversen Filmprojekten mit, und zwar in verschiedenen Positionen – allerdings stets hinter der Kamera. Mittlerweile finanziert er sich vorwiegend aus seinen Jobs als Cutter - vorwiegend fürs Fernsehen (darunter vor allem Serien wie Expedition Africa oder 13: Fear is real), die es ihm außerdem ermöglichen, hin und wieder eigene Projekte zu realisieren, bei denen er dann selbst am Drehbuch und /oder der Kamera arbeitet und/oder Regie führt.
Ziel seiner Laufbahn war es nicht in erster Linie Erfolg zu haben und groß herauszukommen, sondern eher als Filmemacher die Möglichkeit zu haben, Projekte zu machen, bei denen von der ersten Idee bis zur fertigen Filmkopie wirklich alles von ihm kommt. Und wenn ein solcher Film dann auch beim Publikum ankommt, ist das natürlich das Tüpfelchen auf dem i. Warum genau er diesen ausgerechnet im fernen Hollywood zu verwirklichen sucht? Er wollte dahin, wo die ›richtigen‹ Filme gemacht werden…

Glück und Zufall bescherten ihm eine Zusammenarbeit mit dem Filmemacher James Cameron, der ihn für eine drei Jahre währende – und für Pape erstmals richtig professionelle –Tätigkeit im Rahmen des dokumentarischen 3D-Projekts Ghosts of the Abyss (2003) engagierte – einer filmischen Unterwasser-Expedition zur Titanic, welche die Geschehnisse um deren dramatischen Untergang in den dunklen Tiefen des Ozeans ergründet. Seine Aufgabe war es, die Dreharbeiten mit einem Live-Video- Stream zu covern. Einen solchen hatte er zuvor einmal während der Dreharbeiten vom Set eines Studienfreundes eingerichtet. So wurde er gewissermaßen - nicht direkt vom, aber für den Titanic-Regisseur entdeckt. Cameron wurde Pape im Laufe dieser Zeit zu einem Mentor, der ihm filmische Prinzipien aufzeigte und vermittelte, die sich von dem, was er in seiner Ausbildung gelernt hatte, deutlich unterschieden. Insgesamt machte Sven Pape in dieser Zeit eine Menge Erfahrungen, die ihm sowohl den weiteren Weg in Sachen Filmschnitt ebneten als auch seine darüber hinaus gehenden Ambitionen beflügelten und inspirierten.

Story goes firstpape02
Auf ein bestimmtes Genre ist Sven Pape im Übrigen nicht festgelegt, er ist aufgeschlossen gegenüber allen Möglichkeiten, die der Film an sich und die sich ihm in der Filmindustrie bieten. Von dokumentarischen Arbeiten bis hin zu Filmen mit Gruselfaktor (Hollywood Kills, 2006) hat er (sich) schon (in) so allerhand Genres ausprobiert. Er schätzt diese Abwechslung und ein Nicht-festgelegt-sein, weil man immer wieder etwas Anderes, Neues ausprobieren und dazulernen kann. Was stets das Allerwichtigste ist, - die Hauptregel für einen Film, der funktioniert, bringt er kurz & knapp auf den Punkt: Story goes first. Dazu passt auch sein Bekenntnis zum klassischen Suspense-Thriller im Stile Alfred Hitchcocks.
Sven Papes erster eigener Regie-Film war die selbstironische Komödie L.A. Twister (2004). Der Film ist eine Satire, in der er die Schwierigkeiten und Widrigkeiten des ersten eigenen Films thematisiert.

Begegnung auf Augenhöhe
Bei seinem Vortrag hangelt sich Pape chronologisch an einer Auswahl seiner Produktionen entlang. Er zeigt jeweils Ausschnitte aus den Filmen, die er erläutert und zu denen er anschließend Fragen aus dem Publikum beantwortet.
Dabei wird er in seinen Erläuterungen nicht zu speziell, aber doch detailliert genug, so dass das Interesse der Besucher gestillt wird, ohne sie mit allzu vielen Fachbegriffen zu überrumpeln. Für diejenigen, die manches doch noch etwas genauer wissen möchten, gibt er mit Walter Murch noch einen klassischen Lesetipp in Sachen Filmschnitt mit auf den Weg. Eine interessante und unterhaltsame Begegnung war das, die nach der Multimediapräsentation in leicht anachronistischer Kino(museums)atmosphäre noch bei Wein und liebevoll zubereiteten kleinen Häppchen für alle Beteiligten ausklang.
Der eigentliche ›Leckerbissen‹ blieb natürlich auch den lokalen Medien nicht verborgen. Neben den Zeitungen der Gegend, die über die Pape-Stippvisite in der alten Heimat Bericht erstatteten, rückte zu diesem Abend auch ein Kamerateam an, um ein kurzes Portrait für´s lokale Fernsehen zu drehen…
Fazit: Solche kleinen unprätentiösen Veranstaltungen sollten ruhig öfter stattfinden, denn solch ein kurzweilig-informativer Abend kann auf eine äußerst sympathische Weise zur Bereicherung aller Interessierten beitragen.

Eva Schwarz

Infos Kinomuseum: www.kinomuseum.de

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 09. Februar 2010 um 11:40 Uhr